Infos und Anleitung zum Polieren von Töpferarbeiten 

Wenn es darum geht, einer Töpferarbeit eine glänzende Oberfläche zu verleihen, denken die meisten sicherlich im ersten Moment an eine entsprechende Glasur. Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit, um die Oberfläche einer Töpferarbeit zum Glänzen zu bringen, nämlich das Polieren. 

Durch das Polieren entsteht ein Glanz, der nicht nur dekorativ, sondern auch sehr natürlich aussieht. Eine Töpferarbeit zu polieren, erfordert zwar ein wenig Fingerspitzengefühl und ist sicher auch aufwändiger, als die Arbeit mit einer Glasur zu überziehen, der Aufwand lohnt sich aber.  

 

Infos zum Polieren von Töpferarbeiten

 

Durch das Polieren einer Töpferarbeit wird ihre Oberfläche verdichtet und dabei entsteht eine Schicht, die natürlich glänzt und zudem leicht wasserabweisend ist. Poliert wird das Werkstück, wenn die Oberfläche schon lederhart ist, aber noch feucht aussieht. Als Polierwerkzeuge können viele verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen. So ist es möglich, das Werkzeug mit glatten Halbedel- oder Kieselsteinen, einem ausgemusterten Löffel oder einem anderen, glatten Gegenstand zu polieren.

 

Genauso eignen sich aber auch die Finger, die dafür in Einweghandschuhe gesteckt oder mit einem Baumwolltuch oder Frischhaltefolie umwickelt werden. Wird mit einem Metalllöffel gearbeitet, sind auf weißem Ton nach dem Brand übrigens braune Streifen zu sehen.

 

Durch das Polieren entsteht also nicht nur eine glänzende Oberfläche, sondern nebenbei auch ein Muster. Ist ein Werkstück fertig poliert, muss es erst komplett durchtrocknen, bevor er gebrannt wird. Wichtig zu wissen ist aber, dass die Temperatur beim Brand Einfluss auf den Oberflächenglanz nimmt. So kann es passieren, dass der Glanz bei Brenntemperaturen über 900°C weniger intensiv ausfällt oder schlimmstenfalls gänzlich verschwindet.  

 

 

 

 

Eine Anleitung zum Polieren von Töpferarbeiten

 

Unabhängig davon, mit welchem Werkzeug poliert wird, gilt, dass die Tonoberfläche in kreisenden Bewegungen bearbeitet wird. Dabei sollten die Bewegungen möglichst gleichmäßig ausgeführt werden und sich jeweils nahezu auf eine Stelle konzentrieren.

 

In den meisten Fällen sind mehrere Polierdurchgänge erforderlich, wobei für den abschließenden Durchgang ein weiches Baumwolltuch oder ein Stück Kunststofffolie ideal geeignet ist.

 

Für das eigentliche Polieren kommen zwei unterschiedliche Varianten in Frage: 

 

1. Das direkte Polieren

 

Damit das Polieren zu einem ansprechenden Ergebnis führt, muss die Tonoberfläche glatt sein. Weist die inzwischen lederharte Tonhaut noch Unregelmäßigkeiten auf, sollte sie zuerst geglättet werden. Dies ist möglich, indem sie mit einem glatten Stein oder einem vergleichbaren Hilfsmittel bearbeitet wird. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Unebenheiten mittels Tonschlicker und Schaber aufzufüllen. Dabei sollte ein Tonschlicker verwendet werden, der aus dem gleichen Ton besteht wie das Werkstück, aber keine Schamotte enthält.

 

Ist das Werkstück glatt, lederhart und sieht es noch feucht aus, kann das Polieren beginnen. Am besten sollten von Anfang an zwei Polierdurchgänge eingeplant werden, nämlich der erste, wenn das Werkstück lederhart ist, und der zweite, wenn das Werkstück nahezu trocken ist.

 

Sollten beim Polieren Rillen entstehen, ist der Ton noch zu feucht und muss erst noch ein wenig trocknen. Beim Polieren wird die Tonhaut in gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen bearbeitet. Dabei wird das gesamte Werkstück nach und nach waagerecht, senkrecht und diagonal poliert. Sollte der Ton schnell trocknen, kann das Werkstück mit etwas Babyöl eingerieben werden, um so die Bearbeitungszeit zu verlängern.

 

Ist der erste Polierdurchgang fertig, wird das Werkstück beiseite gestellt, bis der Ton fast trocken ist. Dann folgt der zweite Polierdurchgang, der für den eigentlichen Glanz sorgt. Da das Werkstück jetzt nicht mehr ganz so empfindlich ist, kann der Druck beim Polieren vorsichtig erhöht werden. Ist auch der zweite Poliervorgang abgeschlossen, muss das Werkstück vollständig durchtrocknen, danach kann es gebrannt werden.  

 

 

2. Das Polieren nach einem Auftrag von Tonschlicker

 

Auch bei der zweiten Variante wird das Werkstück poliert, wenn der Ton lederhart bis nahezu trocken ist. Im Unterschied zur ersten Methode wird die Tonhaut hier aber nicht direkt poliert, sondern das Werkstück wird zuerst mit einer Schicht Tonschlicker überzogen.

 

Der Tonschlicker kann aus dem gleichen Ton bestehen wie das Werkstück, es kann sich aber auch um ein anderes Material oder um Engoben handeln. Poliert wird dann, wenn der aufgetragene Tonschlicker nahezu trocken ist. Sollte der Tonschlicker zu schnell trocknen, um ihn ordentlich polieren zu können, kann der Tonschlicker mit etwas Salatöl und einigen Tropfen Spülmittel vermischt werden.

 

Das Salatöl verlängert die Trocknungszeit, das Spülmittel macht es etwas einfacher, die Bestandteile richtig miteinander zu vermischen. Poliert wird nun wieder in gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen. Ist die Oberfläche fertig und die Schicht aus Tonschlicker fast trocken, kann der letzte Poliervorgang mit einem Stück Schafsfell durchgeführt werden.

 

Dies erhöht den Glanz zusätzlich. Das komplett trockene Werkstück muss dann nur noch gebrannt werden.

 

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  1. sehr gute Anleitung!

    Comment by Klaus Meyer-van Dettum — 26. Januar 2015 @ 05:30

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