Berufsportrait: Figurenkeramformer

Beim Beruf des Figurenkeramformers handelt es sich um einen nach dem Berufsbildungsgesetz anerkannten Ausbildungsberuf. Die dreijährige Ausbildung ist bundesweit geregelt und wird in der Industrie angeboten. Figurenkeramformer erstellen und vervielfältigen Plastiken, Zier- und Gebrauchsgegenstände aus keramischen Massen.

 

Dabei sind sie in erster Linie in Betrieben der feinkeramischen Industrie tätig, beispielsweise in Keramik- oder Porzellanmanufakturen. 

 

Ausführliche Infos über den Beruf des Figurenkeramformers
verrät das folgende Berufsportrait:
 
 

 

 

Die Aufgaben und Tätigkeiten als Figurenkeramformer

 

 

Figurenkeramformer gehen einem Beruf nach, der eine lange Tradition hat, denn bereits im 18. Jahrhundert wurden spezielle Techniken entwickelt, um Plastiken und Gegenstände aus- und abzuformen. In der keramischen Industrie oder in Werkstätten von Porzellanbetrieben fertigen Figurenkeramformer unterschiedliche Plastiken, Figuren, Gefäße und Gegenstände nach bestimmten Mustern und anhand von Negativformen, die aus den Musterstücken gewonnen wurden, an. Bei diesen Formen und Mustern kann es sich um jahrhundertealte Vorlagen, genauso aber auch um neue Entwürfe handeln.

 

Bevor Figurenkeramformer mit ihrer Arbeit beginnen können, sind aber zunächst ihr Wissen, ihre Erfahrung und auch ihre Vorstellungskraft gefragt. So müssen sie beispielsweise berücksichtigen, welchen Einfluss der Brennvorgang auf die Statik einer komplizierten oder filigranen Figur haben wird. Im nächsten Schritt geht es dann darum, ein geeignetes Material auswählen. So muss für eine Figur mit dünnen Wänden eine trockenere Masse verwendet werden, während die Stabilität bei einer Figur mit dickeren Wänden auch durch eine etwas feuchtere Masse sichergestellt ist.

 

Die Negativformen, die üblicherweise aus Gips bestehen, füllen oder gießen sie dann von Hand mit der keramischen Masse aus. Einige Arbeiten erfordern auch das sogenannte Überformen, bei dem die Masse mit einem Schwamm über die Arbeitsform aufgetragen wird. Nach dem Trocknen müssen die Nähte, die beim Formen entstanden sind, entfernt werden. Außerdem werden die Oberflächen mit einem feuchten Schwamm verputzt und unebene Stellen ausgeglichen. Diese Arbeitsschritte sind notwendig, damit Figuren, die aus mehreren Teilen bestehen,  passgenau zusammengesetzt werden können. Der nächste Arbeitsschritt besteht darin, die Figuren mithilfe von Schlicker zu verbinden.

 

Überschüssiger Schlicker wird mithilfe von Garnierhölzern, Messern und Pinseln entfernt und  sämtliche Übergänge werden be- und nachgearbeitet. Nun wird die Figur mit Stützen und Platten gesichert, damit sichergestellt ist, dass sie beim Trocknen und beim Transport zum Brennofen nicht beschädigt wird. Vor dem Brand erfolgt noch eine letzte Kontrolle und wenn das Werkstück keinerlei Risse oder sonstige Fehler aufweist, kommt es in den Brennofen.  

 

 

 

Die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen für Figurenkeramformer

 

 

Figurenkeramformer arbeiten in erster Linie in feinkeramischen Industriebetrieben, zu denen beispielsweise Porzellan- und Keramikmanufakturen gehören. Ihre Arbeitsplätze befinden sich dabei hauptsächlich in Werkstätten und Werkhallen, wo sie damit beschäftigt sind, Figuren und Figurenteile zu formen, zu gießen, zusammenzusetzen und für den Brennvorgang vorzubereiten. Anweisungen erhalten sie dabei von ihrem Vorgesetzten.

 

Die meiste Arbeitszeit verbringen Figurenkeramformer im Sitzen und den Großteil ihrer Aufgaben führen sie in Handarbeit durch. Obwohl mitunter großer Zeitdruck herrschen kann, müssen sie äußerst behutsam und präzise arbeiten. Zudem benötigen sie viel Fingerspitzengefühl, beispielsweise wenn es darum geht, unebene Stellen auszugleichen oder Nahtstellen zu entfernen.

 

Nur so ist sichergestellt, dass einwandfreie und makellose Sammlerstücke entstehen. In den Produktionsstätten ist es aufgrund der Brennöfen teilweise heiß, zudem kann es laut sein und unangenehm riechen. Mit Staub und Nässe kommen Figurenkeramformer in Kontakt, wenn sie die keramischen Massen in die Formen gießen oder pressen.

 

Zum Schutz der Gesundheit und um Verletzungen zu vermeiden, muss bei einigen Arbeiten daher Schutzkleidung getragen werden. Im Zusammenhang mit dem Brennofen sind Sicherheitsstandhandschuhe sowie die strikte Einhaltung der Sicherheitsvorschriften Pflicht. Figurenkeramformer arbeiten in vielen Fällen in Schichten. Vor allem in großen Betrieben, bei denen die Produktion rund um die Uhr läuft, ist außerdem auch die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen üblich. 

 

 

 

 

Die Ausbildung zum Figurenkeramformer

 

 

Die Ausbildung zum Figurenkeramformer dauert drei Jahre und wird als duale Ausbildung durchgeführt. Das bedeutet, die Azubis lernen zum einen in ihrem Ausbildungsbetrieb und zum anderen in der Berufsschule. Hier findet der Unterricht meist in Blockform in Fachklassen statt. Ausgebildet wird der Beruf als Monoberuf ohne Spezialisierung nach Fachrichtungen oder Schwerpunkten.

 

Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres erfolgt eine Zwischenprüfung, die sich in einen praktischen und einen schriftlichen Prüfungsteil gliedert. Die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung besteht ebenfalls aus einem praktischen und einem schriftlichen Prüfungsteil. Dabei wird bei der praktischen Prüfung ein Prüfungsstück angefertigt, das dem Auftrag eines Kunden entspricht. Die schriftliche Prüfung erfolgt in den Fächern Technologie, Technische Mathematik, Fachzeichnen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Abgenommen wird die Prüfung von der zuständigen Industrie- und Handelskammer.

 

Nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung lautet die offizielle Berufsbezeichnung Figurenkeramformer. Das englische Pendant hierzu ist der Ceramist, im Französischen der Fabricant/Fabricante d’objets miniatures.

 

In aller Regel spezialisieren sich Figurenkeramformer im Laufe ihrer Berufstätigkeit auf einen bestimmten Bereich, beispielsweise die Herstellung von Modellen und Formen, die Produktion von Figuren, Zier- und Gebrauchsgegenständen oder die Qualitätssicherung. Karrieremöglichkeiten sind durch eine Weiterbildung zum Meister, zum Techniker oder als Gestalter gegeben.

 

 

 

Weiterführende Anleitungen und Techniken zum Töpfern:

Thema: Berufsportrait Figurenkeramformer

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