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Was ist Holzbrandkeramik?

 

Heute werden Töpferarbeiten meist in einem modernen Elektroofen gebrannt. Dieser nimmt dem Töpfer viel Arbeit ab, denn nachdem die Werkstücke hineingestellt und der Ofen entsprechend eingestellt ist, muss im Prinzip nur abgewartet werden.

Ein gewisser Überraschungsmoment bleibt zwar trotzdem, denn schließlich kann es passieren, dass nicht alle Arbeiten den Brand unbeschadet überstehen. Im Wesentlichen ist jedoch vorhersehbar, wie die Werkstücke aussehen werden. Bei der Holzbrandkeramik ist das anders.

Jedes Werkstück ist ein echtes Unikat und selbst ein erfahrener Profi muss sich überraschen lassen, was am Ende aus dem Ofen kommt. Dies ist gleichzeitig auch das, was den besonderen Reiz des Holzbrandes ausmacht.

 

Aber was ist Holzbrandkeramik überhaupt?

 

Zuerst wird der lehmverkleidete Brennofen bestückt.

Wie die Bezeichnung verrät, wird Holzbrandkeramik in einem lehmverkleideten Ofen mit Holzfeuer gebrannt. Das Verfahren ist aufwändig, arbeitsintensiv und nimmt viel Zeit in Anspruch. Der Aufwand lohnt sich aber, denn die fertigen Werkstücke sind einmalig und bezaubern durch ihre wunderbare, ganz besondere Optik.

Der Brennvorgang beginnt mit dem Bestücken des Ofens. Dazu werden die rohen Töpferarbeiten behutsam auf die Brennplatten geschichtet. Um zu verhindern, dass die Werkstücke später aneinanderkleben, wird jede Töpferarbeit zusätzlich auf einen sogenannten Wadding gesetzt.

Dies ist ein kleiner Klumpen aus Ton, der mit einer Trennmasse bestrichen ist. Zwischen den Tonarbeiten werden außerdem kleine Gefäße verteilt, die mit Salz befüllt sind. Das Salz löst später eine chemische Reaktion aus, die eine Art Glasur zur Folge hat und der Keramik ihr charakteristisches Aussehen verleiht. Das Bestücken des Ofens nimmt üblicherweise fast einen ganzen Tag in Anspruch. Damit ist es dann aber noch nicht getan, denn der Ofen muss jetzt noch zugemauert werden. Lediglich zwei kleine Luken, durch die der Ofen angefeuert wird, bleiben offen.

 

Das Brennen der Töpferware dauert viele Stunden.

Ist der Ofen gesetzt und zugemauert, beginnt das Brennen. Dabei wird der Ofen langsam bis auf 1300 Grad erhitzt, die Töpferware bleibt etwa 20 Stunden lang im Feuer. Die Besonderheit beim Holzbrand besteht darin, dass der Brenn- und der Feuerraum nicht voneinander getrennt sind.

Die Töpferware steht direkt im Feuer, ab etwa 600 Grad fängt sie an, zu glühen. Die Flammen sorgen dafür, dass die Flugasche durch den gesamten Ofen strömen kann. Durch die konstant hohe Temperatur kommt es zu einer Reaktion zwischen der Flugasche, die sich auf den Werkstücken absetzt, und dem Quarz, der im Ton enthalten ist. Im Ergebnis bildet sich eine Ascheglasur. Diese zeigt verschiedene Muster und Flammspuren sowie Farbeffekte, die die gesamte Palette von Braun über Rot bis hin zu Grün- und Blaugrau abdecken.

Neben den Flammen beeinflusst aber auch das Salz das spätere Muster. Durch die Hitze in der Brennkammer löst sich das Natrium aus dem Salz. Dieses setzt sich ebenfalls auf den Werkstücken ab und verschmilzt zusammen mit der Flugasche zu einer Glasur. Da sich die Tonarbeiten somit beim Brennen im Prinzip von alleine und automatisch glasieren, kann bei Holzbrandkeramiken auf herkömmliche Glasuren daher verzichtet werden.

Wie die Musterung genau aussieht und wie stark sie ausgeprägt ist, lässt sich im Vorfeld allerdings kaum vorhersehen. Hierbei spielen nämlich viele verschiedene Faktoren eine Rolle, unter anderem die Temperatur und die Brenndauer, die Position des jeweiligen Werkstücks im Brennofen oder auch, mit welcher Holzart der Brennofen befeuert wird. Aber auch wenn das Ergebnis nicht vorausgesagt werden kann, entstehen immer wunderschöne Muster, die die Holzbrandkeramik ausmachen.   

 

Das fertige Ergebnis ist erst nach mehreren Tagen zu sehen.

Zu den besonderen Herausforderungen beim Brennen im Holzbrandofen gehört, dass die Temperatur möglichst konstant gehalten werden muss. Für den Töpfer heißt das, dass er regelmäßig neues Holz nachlegen muss. Ohne Unterstützung ist dies kaum zu bewältigen, denn bei einer Brenndauer von gut 20 Stunden ist es schwierig, permanent konzentriert, aufmerksam und nicht zuletzt überhaupt wach zu bleiben.

Bei sehr großen Brennkammern kann ein Brennvorgang übrigens auch mehrere Tage lang dauern, was eine entsprechende körperliche und mentale Schwerstarbeit mit sich bringt. Ist der Brennvorgang beendet, ist erneut Geduld gefragt. Bevor die zugemauerte Ofentür geöffnet und die Werkstücke begutachtet werden können, muss nämlich abgewartet werden, bis der Ofen samt Brenngut abgekühlt ist. Dies dauert etwa zwei bis drei Tage lang.

Erst danach zeigt sich, ob alles so in den Ofen gesetzt war, dass keine Tonarbeiten umgefallen oder zerbrochen sind. Zudem sieht der Töpfer erst jetzt, welche kleinen Kunstwerke durch das Zusammenspiel aus kreativer Arbeit, Handwerk und Feuer entstanden sind.

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