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Was ist Salzglasur?

 

Vermutlich jeder hat schon einmal Steinguttöpfe, -krüge und -gefäße mit Salzglasur gesehen. Diese Arbeiten kennzeichnen sich nämlich durch ihre graue Farbe und die blauen Dekore. Aber auch Arbeiten in einem Farbspektrum zwischen Rot und Braun sind erhältlich.

Mehrere Jahrhunderte lang waren salzglasierte Gefäße als Haushaltsgeschirr und für die Aufbewahrung von Vorräten unverzichtbar. In Mitteleuropa waren sie deshalb ein sehr begehrtes Handelsgut. Auch heute noch findet die Salzkeramik im Haushalt Verwendung, allerdings oft eher zu dekorativen Zwecken.

 

Aber was ist Salzglasur eigentlich genau? Wie wird sie gemacht?
Und was ist das Besondere an ihr?:

 

Was ist Salzglasur?

Bei der Salzglasur handelt es sich um eine traditionelle Variante der Glasur von Steingut. Wo und wann die Salzglasur zum ersten Mal angewendet wurde, lässt sich nicht mit Gewissheit nachvollziehen. Fest steht aber, dass im Rheinland bereits im 15. Jahrhundert salzglasierte Steinzeuggefäße verwendet wurden.

Im Laufe der Zeit ließen sich dann immer mehr Töpfer im Westerwald nieder. Hier fanden sie hochwertige Tonerde in großen Mengen und entwickelten gleichzeitig die Salzglasur weiter. Die Region, die zum Zentrum des Töpferhandwerks wurde, wird auch das Kannenbäckerland genannt und bis heute werden im Westerwald salzglasierte Steingutarbeiten im traditionellen Verfahren hergestellt.

Üblicherweise wird auf die geformten und getrockneten Tonarbeiten eine Glasur aufgetragen und anschließend beim sogenannten Glasurbrand eingebrannt. Bei der Salzglasur ist das anders. Hier werden die Werkstücke zuvor nicht glasiert. Stattdessen entsteht die Salzglasur, indem das Salz erst während des Brennvorgangs in den Brennofen gegeben wird.

Das Zusammenspiel aus Hitze, Wasser und Salz führt zu chemischen Reaktionen. So lösen sich die Salzkristalle explosionsartig auf und Natriumdämpfe entstehen. Sie legen sich auf die Gefäße. Gleichzeitig verbindet sich das Natrium mit dem Quarz im Ton zu einem Silikat. Dieses Silikat bildet die Salzglasur und verleiht den Gefäßen sowohl ihr charakteristisches Aussehen als auch einige wichtige Eigenschaften. So sind salzglasierte Gefäße robust, widerstandsfähig, wasserdicht und säurebeständig.

Die Salzglasur ist absolut ungiftig, geschmacksneutral und daher ideal für das Servieren und Aufbewahren von Lebensmitteln geeignet. Zudem können salzglasierte Gefäße im Backofen und in der Mikrowelle verwendet und in der Spülmaschine gereinigt werden.

 

Wie werden Steingutgefäße mit Salzglasur angefertigt?

Das Ausgangsmaterial für salzglasiertes Steinzeug ist Ton, der auf der Drehscheibe zu verschiedenen Haushalts- und Ziergegenständen wie Krügen, Vasen, Schalen, Schüsseln und anderen Gefäßen geformt wird. Teilweise werden in die Gefäße verschiedene Dekore eingeritzt oder eingraviert, teilweise werden nach dem Trocknen Muster und Verzierungen mit blauer Pigmentfarbe aufgemalt.

Wenn die Rohlinge lederhart getrocknet sind, wird es Zeit für den Brand. Dabei ist der Salzbrand nicht nur eine traditionelle Glasurform, sondern ein Kunsthandwerk, das neben einer entsprechenden Ausstattung auch Können und Erfahrung erfordert. So kommt beim Salzbrand ein spezieller Ofen zur Anwendung, der mit einer offenen Flamme befeuert wird, mit Öffnungen in der Ofendecke ausgestattet ist und in dem eine sauerstoffreduzierte Atmosphäre herrscht. Die Brenntemperatur bewegt sich zwischen 1200 und 1300 Grad Celsius.

Wenn die Höchsttemperatur erreicht ist, wird über die Öffnungen reines Kochsalz in die Brennkammer gegeben. Durch die große Hitze und das mitgeführte Wasser zerspringen die Salzkristalle und verdampfen. Der Dampf wiederum schlägt sich auf den Gefäßen nieder und durch die Verbindung, die das Natrium und der Quarz im Ton miteinander eingehen, entsteht ein Silikat.

Dieses Silikat, das die Oberfläche der Gefäße bedeckt, ist die Salzglasur. Da die Salzglasur also nicht vor dem Brand aufgetragen wird, sondern im Zuge des Brennvorgangs entsteht und sich letztlich eigenständig auf den Gefäßen niederschlägt, handelt es sich bei der Salzglasur um eine sogenannte Anflugglasur. Die große Kunst bei der Salzglasur besteht darin, den richtigen Moment für die Salzzugabe zu finden.

Je nachdem, wann das Salz hinzugefügt wird, kann die Oberfläche eine glänzende, feine und gleichmäßige bis hin zu einer orangenhautähnlichen Struktur haben. Die Farbe der Glasur hängt vom Eisengehalt im Ton und der Atmosphäre im Ofen ab. Eine reduzierende Ofenatmosphäre führt zu Grautönen, bei einer oxidierenden Ofenatmosphäre entstehen braune Farbtöne in verschiedenen Nuancen. Dabei dauert ein Salzbrand gut zehn Stunden.

 

Wie sollten Gefäße mit Salzglasur gepflegt werden?

Salzglasierte Keramiken bestechen optisch durch ihren rustikal-dekorativen Charme. Gleichzeitig sind die Gefäße robust und unempfindlich. Sie sind wasserdicht, säurefest und geschmacksneutral. Um die Gefäße zu reinigen, können sie von Hand gespült oder in die Geschirrspülmaschine gegeben werden.

Zudem eignen sie sich für den Einsatz im Backofen und in der Mikrowelle, sie können aber auch in den Kühlschrank gestellt werden. In Sachen Pflege müssen somit eigentlich keine Besonderheiten beachtet werden. Lediglich sehr große Temperaturschwankungen können salzglasierten Steingutgefäßen schaden. So sollte keine kochend heiße Flüssigkeit in ein gekühltes Gefäß gefüllt werden.

Ebenso ist es nicht ratsam, ein Gefäß aus dem Kühlschrank zu nehmen und direkt in den heißen Backofen zu stellen. Da salzglasierte Steinzeuggefäße recht dickwandig sind, könnten schlagartige Temperaturstürze nämlich dazu führen, dass das jeweilige Gefäß reißt oder springt.

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