Keramik im Alltag und der kleine Brennofengeist

Keramik im Alltag und der kleine Brennofengeist

 

Geschirr, Vasen und Blumentöpfe, Figuren für den Garten oder Dachziegel – solche Gegenstände bringen die meisten mit Keramik in Verbindung. Dabei ist Keramik weit mehr als nur das Material für rustikal-charmante Töpferwaren oder nützliche Alltagsgegenstände. Ob Zahnfüllungen und Knochenersatz, Zündkerzen im Auto oder Isolierungen an Strommasten, sie alle bestehen ebenfalls aus Keramik.   

 

Die Basis für Keramik ist Ton.

Damit Keramik hergestellt werden kann, muss Ton vorhanden sein. Ton wird in Tongruben gewonnen und je nach Standort ist der Ton unterschiedlich beschaffen und hat verschiedene Farben. Dabei ist jeder Ton aus festem Gestein entstanden. Im Laufe der Jahrhunderte führten Regen, Frost, Wind, Erdbewegungen und andere Einflüsse dazu, dass das einst feste Gestein porös und spröde wurde.

Als Ergebnis blieben Tonmineralien in Form von feinkörnigem Pulver zurück. Weil Ton Wasser speichern kann, spielt er als Träger vom Grundwasser eine wichtige Rolle. Dabei saugen die Tonmineralien das Wasser zunächst auf, wodurch sich ihr Volumen vergrößert. Ist die Tonschicht gesättigt, staut sich die Feuchtigkeit und eine wasserundurchlässige Schicht entsteht. 

Wenn Tonpulver mit Wasser angerührt wird, entsteht eine Masse, die sich sehr gut formen lässt. Dies wussten die Menschen schon vor rund 30.000 Jahren. Archäologische Funde belegen nämlich, dass schon damals einfache Erzeugnisse aus Keramik verwendet wurden. Meistens handelte es sich dabei um kleine Figuren, die bei rituellen Zeremonien zum Einsatz kamen.

Die frühen Keramikarbeiten waren nicht nur aus Ton geformt, sondern auch schon gebrannt. Die Forschung vermutet, dass die Menschen die Vorteile von gebranntem Ton aber eher durch einen Zufall entdeckt hatten, als sie nämlich eine Feuerstelle auf einem tonhaltigen Boden einrichteten.

 

Keramik zieht in den Alltag ein.

Im Laufe der Zeit feilten die frühen Keramikhersteller an ihren Techniken und so entstanden schon in prähistorischer Zeit mitunter bemerkenswerte Kunstwerke. Vor etwa 10.000 Jahren wurden die Menschen allmählich sesshaft. Sie bauten Behausungen und betrieben Ackerbau.

Also lag es nahe, den bereits bekannten Werkstoff Ton nicht nur für rituelle Figuren, sondern auch für Gefäße zu verwenden. So wurden bauchige Tongefäße üblich, in denen Getreide, Kräuter und Wurzeln gelagerten werden konnten und sich lange hielten.

In der Folgezeit entwickelten die Keramikhersteller ihre Techniken kontinuierlich weiter, entwarfen neue Formen und dachten sich allerlei Muster und Verzierungen aus. In einigen Regionen entstanden wahre Keramikhochburgen und von hier aus wurden die Tongefäße in ganz Europa und sogar in den Orient verkauft. 

Neben der Funktion als Werkstoff für Alltagsgegenstände entdeckten die Menschen Ton auch als Baumaterial. Während beispielsweise Dachziegel zunächst nur aus Lehm angefertigt wurden und an der Luft trockneten, wurde ab dem 4. Jahrhundert damit begonnen, sie zu brennen. Brennöfen gab es damals aber noch nicht. Stattdessen nutzten die Menschen unter anderem den Grubenbrand. Hierfür hoben sie eine Grube aus, entzündeten darin ein Feuer und brannten die Tonerzeugnisse dann mehrere Stunden lang.  

 

Die Drehscheibe läutet die Massenproduktion ein.

Nachdem die Menschen endgültig sesshaft geworden waren und zunehmend große Siedlungen entstanden, wurde auch der Bedarf an Töpfen, Schüsseln, Krügen, Vorratsgefäßen und anderen keramischen Alltagsgegenständen immer größer.

Daher erwies sich die Erfindung der Töpferscheibe als überaus hilfreich und praktisch. Bei den ersten Töpferscheiben vor etwa 5.000 Jahren handelte es sich um große Scheiben aus Stein, die sich auf einem im Boden verankerten Zapfen drehten. Schon diese Töpferscheiben ermöglichten es, in kürzerer Zeit größere Mengen an Keramikgegenständen zu formen. Im Laufe der Zeit wurden die Töpferscheiben dann zunehmend besser und auch an den Töpfertechniken wurde immer weiter gefeilt.

So konnte schon bald Tongeschirr in großen Mengen produziert werden.

 

Auch heute ist Keramik im Alltag kaum wegzudenken.

Neben den Techniken beim Töpfern wurden auch die Glasurtechniken und die Brennverfahren immer besser. Zudem erkannten die Töpfer, dass sich die Beschaffenheiten und die Färbungen der verschiedenen Tonsorten gezielt nutzen ließen. Je nachdem, was angefertigt werden sollte, wurde so mal zu Steingut, mal zu Steinzeug, mal zu Irdenware und mal zu Porzellan gegriffen.

Bis heute dürfte in jedem Haushalt Keramik zu finden sein, angefangen in der Küche bis hin zum Badezimmer. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannte auch die Industrie die Vorzüge von Keramik. Als festes, hartes und säurebeständiges Material, das enorm hohen Temperaturen standhält, werden keramische Erzeugnisse für Isolierungen von elektrischen Leitungen oder als Hitzeschilde genauso genutzt wie für Zündkerzen, Auspuffkrümmer, Ventile und Filter im Auto. Auch die Medizin und die Labortechnik greifen gerne auf moderne Keramikwerkstoffe zurück. 

 

Der kleine Brennofengeist

Wenn der Ton in die gewünschte Form gebracht und lederhart getrocknet ist, wird er gebrannt. Dabei ist das Brennen eine durchaus spannende Angelegenheit, die Können und Fingerspitzengefühl erfordert. Zunächst müssen die einzelnen Tonarbeiten nämlich so im Ofen gestapelt werden, dass der Raum möglichst optimal ausgenutzt ist, die Arbeiten aber nicht zusammenbacken.

Anschließend gilt es, die Temperatur gleichmäßig zu steigern, die für die Tonsorte notwendige Temperatur über viele Stunden zu halten und dafür zu sorgen, dass es überall im Ofen gleichermaßen heiß ist. Nach dem eigentlichen Brennvorgang muss die Temperatur langsam und gleichmäßig wieder sinken.

Heute sind moderne Brennöfen mit einem Regler ausgestattet, der das Aufheizen, die Hitzeverteilung und das Halten der Temperatur automatisch regelt. Früher wurden die Tonarbeiten aber in Öfen gebrannt, die mit Holzfeuer aufgeheizt und für den Brand zugemauert wurden. Erst nach dem Öffnen zeigte sich, ob alles gut gegangen oder ob die gesamte Ofenladung vernichtet war.

Damit letzteres nicht allzu häufig passierte, brauchte es einen guten Geist – den Brennofengeist. Der Brennofengeist ist eine kleine Figur, die aus den Tonresten geformt wird, die bei der Herstellung der Ofenladung übrig geblieben sind. Wie der kleine Geist aussieht, bleibt dem Geschmack des Töpfers überlassen. Der Brennofengeist wurde dann in eine Nische über dem Brennofeneingang gesetzt und sollte dafür sorgen, dass der Brand klappt. Dieser Brauch hat sich bis heute gehalten, auch wenn der Brennofengeist inzwischen auf dem Brennofen sitzt.

Mehr Tipps, Anleitungen und Ratgeber:

Thema: Keramik im Alltag und der kleine Brennofengeist

Teilen:

Kommentar verfassen