Kintsugi – Infos und Anleitung, 1. Teil

Kintsugi – Infos und Anleitung, 1. Teil

Wenn die Lieblingstasse, eine hübsche Schale oder eine Vase, die ein Erbstück von Oma war, kaputt geht, ist das natürlich ärgerlich. Denn an solchen Stücken hängen oft Geschichten und Erinnerungen.

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Kintsugi - Infos und Anleitung, 1. Teil

Doch es ist nicht notwendig, die zerbrochenen Geschirrteile gleich zähneknirschend zu entsorgen. Denn eine rettende Lösung naht: Kintsugi.

Dahinter verbirgt sich eine traditionelle Technik aus Japan, die es ermöglicht, Geschirr zu reparieren. Allerdings will Kintsugi nicht einfach nur reparieren. Stattdessen sollen die Geschirrteile zu neuen Kunstwerken werden, die eine eigene Geschichte erzählen.

Zunächst ein paar Infos zu Kintsugi

Wörtlich übersetzt, bedeutet Kintsugi „Reparieren mit Gold“. Bei der traditionellen japanischen Technik werden zerbrochene Keramik- und Porzellanteile mit speziellen Lacken wieder zusammengesetzt und anschließend mit Gold oder Silber veredelt.

Die Wurzeln der Lackreparatur reichen bis in die Jōmon-Zeit zurück. Sie endete ungefähr 300 vor Christus. In der Muromachi-Ära während des 14. und 15. Jahrhunderts wurde die Teezeremonie eingeführt. Und mit ihr entwickelte sich die Tradition der Reparatur mit Lacken zu einer echten Kunstform weiter.

Die Linien, die bei der Reparatur entlang der Bruchkanten entstehen, heißen keshiki. Keshiki bedeutet Landschaft. Die Lackreparatur betont diese neu entstandenen Formen und verleiht dem Objekt durch die geschwungenen und verästelten Linien eine Ästhetik, die vorher so nicht vorhanden war.

Doch geht es nicht nur darum, Bruchstücke wieder miteinander zu verbinden. Vielmehr möchte Kintsugi auch neue Landschaften schaffen.

Auf diese Weise soll die verlorene Harmonie wiederhergestellt werden und das Objekt einen eigenen Wert bekommen, der eine neue Eleganz ausstrahlt und eine persönliche Geschichte erzählt.

Die Lacke beim Kintsugi

In der traditionellen Form wird beim Kintsugi hon-urushi (auf Deutsch: echter Lack) verwendet. Bei hon-urushi handelt es sich um das Harz des Lackbaums.

Der echte Lack schimmert elegant und ist beständig gegenüber Säuren und alkalischen Elementen. Allerdings kann der Lack im feuchten Zustand heftigste allergische Reaktionen hervorrufen. Bei der Verarbeitung erfordert er deshalb einen sehr umsichtigen und besonders vorsichtigen Umgang.

Allerdings gibt es eine Alternative namens shin-urushi (zu Deutsch: neuer Lack). Shin-urushi ist synthetisch hergestellt. Optisch und von den Eigenschaften her gibt es praktisch keine Unterschiede zwischen den Lacken.

Nur ist der neue Lack in der Handhabung wesentlicher einfacher und ungefährlicher. In unserer Anleitung greifen wir deshalb auch auf diesen neuen Lack zurück.

Geschirr, das mit shin-urushi repariert wurde, eignet sich aber nicht mehr als Essgeschirr. Es sollte nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, sondern nur noch als Dekoration genutzt werden.

Andererseits sind die Stücke oft so schöne und kunstvolle Arbeiten, dass sie in der Vitrine ohnehin besser aufgehoben sind.

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Der echte wie auch der neue Lack sind sehr widerstandsfähig. Trotzdem sollten die reparierten Geschirrteile von Hand und mit einem milden Spülmittel gereinigt werden. Die Spülmaschine und aggressive Reiniger mit Scheuerpartikeln bekommen ihnen nicht.

Die Materialien für Kintsugi

Wer die Technik des Kintsugi ausprobieren möchte, braucht zunächst Keramikkleber und einen Zweikomponenten-Reparaturkitt auf Basis von Epoxidharz. Damit werden die abgebrochenen Teile zusammengefügt und Spalten oder Risse aufgefüllt.

Daneben wird ein wasserfestes Schleifpapier benötigt. Wasserfest deshalb, weil das Papier angefeuchtet wird. Das Schleifen erfolgt in zwei Durchgängen.

Für den ersten Durchgang wird je nach Material ein Schleifpapier mit einer 400er bis 1000er Körnung verwendet. Dabei gilt, dass die Körnung umso feiner sein sollte, je weicher das Material ist.

Glasiertes Porzellan beispielsweise ist recht hart und verträgt eine 400er Körnung. Im Unterschied dazu sind unglasierte Keramik oder Steingut weicher. Deshalb sollte dafür ein feineres Schleifpapier zum Einsatz kommen.

Der zweite Durchgang erfolgt dann mit einem sehr feinen Schleifpapier mit einer Körnung zwischen 1500 und 2000. Auch hier hängt es wieder von der Festigkeit des Materials ab, wie fein das Schmirgelpapier sein sollte.

Die nächsten Materialien auf der Liste sind der Lack shin-urushi, ein Verdünner für shin-urushi und ein spezielles Reinigungsmittel für den Lack.

Dazu kommen ein Farbpulver oder Farbpigmente, die mit dem Lack vermischt werden und den Linien später ihre Farbe verleihen. Traditionell werden dabei goldene Pigmente verwendet. Für eine moderne Note können aber auch Pigmente in Silber, Kupfer oder anderen Tönen ausgewählt werden.

Erhältlich sind die Produkte im gut sortierten Kunstfachhandel oder in Online-Shops. Wichtig beim Einkauf ist aber, die Komponenten wirklich auf shin-urushi abzustimmen. Denn Verdünner und Reinigungsmittel für andere Lacke funktionieren nicht.

Als Hilfsmittel werden dann noch ein Stück Alufolie, eine Pipette, Küchentücher und feine Pinsel benötigt. Dabei sind die feinen und gleichzeitig recht robusten Pinsel für den Modellbau besonders gut geeignet.

Damit ist die Materialliste komplett. Und die ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung folgt im 2. Teil.

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Maike Wetzold, geboren 1969, Lehrerin für das Unterrichtsfach Werken, sowie Tobias Naue, Baujahr 1974, (Keramikmeister), sowie Ferya Gülcan, Betreiberin und Redakteurin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zum Thema Töpfern, Ton und Keramik. Anleitungen, Übungen , Vorlagen und Fachwissen für Groß und Klein, sowie für Schule und Hobby.

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