Töpfern – altes Handwerk mit moderner Technik

Töpfern – ein altes Handwerk,

heute aber mit moderner Technik

 

Für uns ist es heute völlig selbstverständlich, von Tellern zu essen und den morgendlichen Kaffee oder Tee aus Tassen zu trinken. Auf der Fensterbank stehen die Pflanzen in Blumentöpfen, im Wohnzimmern sammeln sich die tönernen Urlaubsmitbringsel und im Garten sorgen Figuren und Gefäße aus Ton für eine dekorative Optik.

Im Badezimmer finden sich Fliesen auf dem Boden und an den Wänden, draußen sehen wir viele Häuserdächer, die mit Tonziegeln gedeckt sind. Kinder lernen Ton oft zum ersten Mal im Kindergarten oder im Kunstunterricht in der Schule kennen, so mancher Erwachsener entdeckt das Töpfern als Hobby für sich und selbst in Seniorenheimen und Therapieeinrichtungen wird gerne mit dem natürlichen Material gearbeitet.

Doch die lange Geschichte, die Entwicklung und nicht zuletzt die Arbeit, die hinter dem Töpfern als Handwerk steht, ist vielen nicht bewusst. Schließlich kennen die meisten Ton nur als gebrauchsfertiges Material aus der Tüte und die angefertigten Arbeiten werden ganz selbstverständlich im modernen Brennofen gebrannt.

 

Aber wie entsteht Ton überhaupt, wie wurde er früher verarbeitet

und welche Technik wird heute genutzt?:

 

Töpfern – woher der Ton kommt und wie er entsteht

Ton gehört zu den wichtigsten Rohstoffen bei der Herstellung von Keramik. Gleichzeitig gehört er zu den ältesten Rohstoffen, die die Menschen verwenden. Funde von Figuren belegen, dass Ton schon in der Steinzeit genutzt wurde. Die ältesten Keramikgefäße wiederum stammen aus China und ihr Alter wird auf rund 20.000 Jahre geschätzt. Das Ausgangsmaterial für Ton bildet verwittertes Urgestein.

Im Laufe der Zeit entstehen aus verschiedenen verwitterten Gesteinschichten, Wasser, Sand, organischen Resten und anderen Ablagerungen Tonlager. Früher richteten viele Töpfer ihre Werkstätten in der Nähe von solchen Tonlagern ein und gruben große Brocken aus Ton selbst aus. Einige Töpfer bauten Ton aber auch in den Bergen ab und transportierten das ausgestochene Material dann mit Eseln in die Dörfer.

So konnte der Ton aber noch nicht verarbeitet werden. Deshalb wurden die Tonbrocken in gemauerte Becken gegeben, mit Wasser bedeckt und mussten anschließend zu einer schlammigen Masse gerührt werden. Früher erfolgte dies mithilfe einer Stange aus Stahl, die Esel bewegten, indem sie im Kreis um die Mischgruben liefen.

Später übernahmen Benzinmotoren die Rührarbeit. Im nächsten Schritt wurde der aufgerührte Tonbrei gesiebt und in Trockenwannen umgefüllt. Wenn das Wasser allmählich abgelaufen war, wurde der Ton geschlagen, um Luftbläschen zu beseitigen. Erst dann konnte er verarbeitet werden.

 

Töpfern – ein altes Handwerk, heute aber mit moderner Technik

Am Handwerk als solches hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert. So gehört auch heute noch das Schlagen des Tons, um Lufteinschlüsse zu entfernen und den Ton geschmeidig zu machen, zu den ersten Arbeitsschritten beim Töpfern.

Neben Techniken wie der Daumendruck-, der Wulst- oder der Plattentechnik wird der Ton dann häufig auf der Drehscheibe geformt. Dies war auch früher schon so. Während die Töpferscheiben heute aber meist elektrisch angetrieben werden, bewegten die Töpfer früher ihre hölzernen Scheiben über Fußpedale und Antriebsräder.

Der Brennofen, in dem die fertigen Töpferarbeiten gebrannt werden, blickt ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. Bei einem traditionellem Brennofen handelte es sich aber um eine Konstruktion aus Ziegelsteinen, die etwa anderthalb Meter hoch und mit einem Durchmesser von über einem Meter rund und oben offen angeordnet waren.

Im unteren Bereich hatte der Ofen an der Seite eine Öffnung, durch die die Tongefäße in den Ofen gestellt wurden. Anschließend wurden die Tonarbeiten mit Scherben von alten, zerbrochenen Tongefäßen bedeckt, die sie vor dem Schlamm schützten, durch den der Ofen verschlossen wurde. Mit was der Ofen befeuert wurde, hing davon ab, was am jeweiligen Ort vorhanden war. So wurden Brennöfen in Griechenland beispielsweise vorwiegend mit Nussschalen oder mit Holz von Olivenbäumen angeheizt, während in Deutschland Braunkohle oder einheimische Hölzer zum Einsatz kamen.

In den folgenden zwölf Stunden musste dann immer wieder Holz nachgelegt werden, erst danach war der Brennvorgang abgeschlossen. Im Laufe der Zeit ersetzten Gas- und Elektrobrennöfen die traditionellen Öfen. Die modernen Öfen erleichterten die Arbeit deutlich, allerdings waren sie auch kleiner. Deshalb mussten die Töpferarbeiten ebenfalls kleiner oder die Anzahl an Werkstücken, die auf einmal gebrannt werden konnten, verringert werden. Dies führte dazu, dass die Preise für Tonarbeiten stiegen.

Während in Töpferwerkstätten heute nach wie vor meist Elektrobrennöfen verwendet werden, kommen in der Industrie hochmoderne, vollautomatische Brennöfen zum Einsatz.

 

Töpfern – Handarbeit und industrielle Fertigung

Traditionelle Töpfer stellten in erster Linie Gebrauchsgegenstände wie Vorratsgefäße, Schüsseln, Krüge, Töpfe und Öllampen her. Schon damals sorgten eingeritzte Muster und verschiedene Verzierungen für eine dekorative Optik, Glasuren hingegen wurden kaum verwendetet.

Durch eine Kennzeichnung am Boden war nachvollziehbar, aus welcher Töpferei die Tonarbeit stammte. Heute entstehen in Töpferwerkstätten und -ateliers Töpferarbeiten in Handarbeit. Dadurch sind sie nicht nur kleine Kunstwerke, sondern echte Unikate. Diese teils sehr aufwändig und liebevoll angefertigten Tonobjekte haben zwar ihren Preis, können sich aber gerade dadurch, dass sie wertvolle Einzelstücke sind, von den deutlich kostengünstigeren Waren aus der industriellen Massenproduktion abgrenzen. In der Industrie entstehen Keramiken in großen Fabrikhallen.

Die Arbeit der Beschäftigten dort hat allerdings nicht viel mit Töpfern zu tun, selbst der Kontakt mit dem Ton als Werkstoff hält sich sehr in Grenzen. Die Arbeiter sind vielmehr für das Steuern und Bedienen der Maschinen zuständig. Dabei werden Hohlteile wie Vasen, Krüge oder Tassen in Formen gegossen und Flachteile wie Teller gepresst.

Dies hat zur Folge, dass identisch aussehende Produkte in beliebiger Anzahl produziert werden können.

 

Töpfern – der Becher der Gerechtigkeit und das Sparschwein

Neben Gebrauchsgegenständen wurden aber auch schon früher mitunter kuriose Objekte und Geschenkartikel getöpfert. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte Becher der Bescheidenheit. Bei diesem Becher handelt es sich um ein Trinkgefäß, das den Benutzer dazu zwingt, vernünftig zu trinken.

Macht der Benutzer den Becher zu voll, läuft der gesamte Inhalt unten aus. Die Idee zu diesem Becher wird Pythagoras von Samos zugeschrieben, der sich der Legende nach um den großen Weinkonsum seiner Arbeiter während Bauarbeiten zur Wasserversorgung auf Samos gesorgt haben soll. Deshalb ist der Becher der Gerechtigkeit auch als Pythagoreischer Becher bekannt. Ein anderes Beispiel sind die Vorläufer unserer heutigen Sparschweine.

So wurden früher kleine Krüge getöpfert, die bis auf einen kleinen Schlitz geschlossen waren. Durch den Schlitz konnten Münzen in die Krüge gegeben werden. Kinder erhielten diese Krüge als Geschenk und mussten sie im Erwachsenenalter zerbrechen, wenn sie das Geld entnehmen wollten.

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