Sgraffito auf Ton – Infos und Anleitung

Sgraffito auf Ton – Infos und Anleitung

Um eine Töpferarbeit zu verzieren, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. So kann ein Muster in die Oberfläche des Tons eingearbeitet werden. Genauso kann der Töpfer unterschiedliche Farben und Glasuren verwenden, um damit Muster und Dekore zu gestalten. Eine weitere Möglichkeit, die im Prinzip beides miteinander verbindet, ist das keramische Sgraffito.

Sgraffito auf Ton - Infos und Anleitung

Was es damit auf sich hat und wie es funktioniert, erklären wir in diesem Beitrag:

Sgraffito auf Ton: Was ist das überhaupt?

Sgraffito leitet sich vom italienschen Wort für kratzen ab. Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der die Verzierungen dadurch entstehen, dass aufgetragene Farbschichten teilweise wieder abgekratzt werden. Anders als sonst üblich entstehen die Muster, Ornamente und Motive also nicht durch den Auftrag von Farbe, sondern durch das Entfernen der Farbe.

Auf Ton wird die Sgraffito-Technik umgesetzt, indem die Töpferarbeiten zunächst ganz normal geformt werden. Wenn der Ton lederhart getrocknet ist, werden eine oder mehrere Farbschichten aufgetragen. Dafür kann eine Unterglasur oder auch ein eingefärbter Tonschlicker verwendet werden.

In die Farbschichten werden dann Muster oder Motive gekratzt. Je nachdem, wie tief das Muster eingearbeitet wird, werden dabei nur die oberen Farbschichten oder die gesamte Farbe wieder abgenommen. Auf diese Weise kommen die unteren Farbschichten oder der Ton selbst wieder zum Vorschein und ein schönes Bild mit interessanten Kontrasten entsteht.

Die Materialien für die Technik

Für ein keramisches Sgraffito werden im Prinzip keine besonderen Materialien oder Hilfsmittel benötigt. Vielmehr reichen die Utensilien, die der Töpfer meist ohnehin schon zur Hand hat, aus. Auf ein paar Kleinigkeiten sollte dann aber doch geachtet werden.

Wenn die Sgraffito-Technik auf Ton umgesetzt wird, erinnert die Arbeitsweise ein wenig ans Schnitzen. Der Töpfer wird verschiedene Werkzeuge verwenden, um die aufgebrachten Unterglasurschichten wieder abzutragen.

Für feine Linien eignen sich Töpfernadeln in verschiedenen Stärken am besten. Möchte der Töpfer größere Felder und Flächen bearbeiten, ist er mit einem Messer oder einem Schaber gut beraten. Außerdem sollte er eine weiche Bürste mit feinen Borsten zur Hand haben. Damit kann er abgekratzte Glasurreste wegfegen.

Bearbeitet wird der Ton, wenn er lederhart getrocknet ist. Das ist deshalb wichtig, weil der Ton so zwar noch genug Feuchtigkeit enthält, um das Motiv zu gestalten. Gleichzeitig ist der Ton aber schon hart und trocken genug, dass er dem Druck standhält, ohne sich zu verformen.

Die Farbschichten kann der Töpfer mit einer Unterglasurfarbe gestalten. Dabei sollte er darauf achten, dass die Unterglasur so viel Hitze aushält, dass sie sowohl den Schrühbrand als auch den Glasurbrand unbeschadet übersteht. Statt mit einer Unterglasurfarbe kann der Töpfer auch mit eingefärbtem Tonschlicker arbeiten. Dafür rührt er wenig Ton mit Wasser an und färbt die Mischung mit Farbpigmenten seiner Wahl ein.

Sgraffito auf Ton – eine Anleitung

Auch wenn die Sgraffito-Technik zu sehr dekorativen Ergebnissen führt, gestaltet sie sich viel einfacher, als vielleicht vermutet.

Die einzelnen Arbeitsschritte sind folgende:

  1. Schritt: Schablone erstellen

Natürlich kann der Töpfer sein Muster oder Motiv komplett frei Hand gestalten. Gerade bei den ersten Versuchen und auch bei anspruchsvolleren, bildlichen Motiven ist es aber oft einfacher, wenn er sich zuerst eine Schablone erstellt.

Dafür zeichnet er sein Muster, einzelne Ornamente davon oder das Motiv auf Papier. Ein dünnes Papier wie beispielsweise Seidenpapier eignet sich dabei besonders gut. Denn durch das dünne Papier kann der Töpfer das Muster gut übertragen, ohne dass er zu fest aufdrücken muss.

Ist das Muster fertig, legt der Töpfer seine Schablone auf den lederharten Ton. Anschließend nimmt er einen stumpfen Gegenstand wie beispielsweise ein dünnes Holzstäbchen, eine schmale Stricknadel oder einen nicht gespitzten Bleistift und fährt damit die Linien seines Musters nach. Auf diese Weise graviert er das Motiv gewissermaßen in den Ton.

  1. Schritt: den Ton glasieren

Nun wird die Unterglasur auf den Ton aufgetragen. Damit die Farbe gleichmäßig deckt, ist es ratsam, die Glasur in mehreren dünnen Schichten aufzubringen. An dieser Stelle kann der Töpfer natürlich auch entscheiden, ob er es bei einem Farbton belässt oder ob er Schichten in unterschiedlichen Farbtönen miteinander kombiniert.

Hat der Töpfer mit einer Schablone gearbeitet und sein Muster zuvor in den Ton eingraviert, sollten die Linien nach dem Farbauftrag natürlich noch zu sehen sein.

  1. Schritt: das Muster oder Motiv gestalten

Nach dem Auftrag der Farbschichten beginnt die eigentliche Sgraffito-Technik. Jetzt wird das Muster oder Motiv nämlich ausgestaltet. Dabei kann der Töpfer sehr feine und filigrane Linien in den Ton ritzen. Möglich ist aber auch, tiefe Rillen zu ziehen oder Tonplättchen herauszuheben. Letztlich kann der Töpfer also ähnlich arbeiten, wie wenn er einen Linolschnitt anfertigen oder ein Dekor in Holz schnitzen würde.

Zudem kann er auch bei der Sgraffito-Technik in Etappen arbeiten. Hat er sein Muster fertig, kann er nämlich erneut eine Schicht Unterglasur auftragen und dann einzelne Linien oder Felder ein zweites Mal auskratzen.

Zwischendurch sollte der Töpfer immer mal wieder mit einer weichen, feinen Bürste über seine Arbeit gehen. Auf diese Weise kann er Glasurreste aus den Rillen entfernen. Dann sieht er auch, ob das Muster schon stimmig ist oder ob hier und da noch etwas nachgebessert werden muss.

Übrigens: Der Töpfer muss sich kein kompliziertes Muster oder aufwändiges Motiv aussuchen. Durch die verschiedenen Schichten und die Kontraste sieht keramisches Sgraffito auch bei ganz einfachen, geometrischen Mustern toll aus.

  1. Schritt: die Töpferarbeit brennen

Ist das Dekor fertig, muss die Töpferarbeit zum ersten Mal in den Brennofen. Beim Schrühbrand werden der Ton als solches und die Unterglasur gebrannt.

  1. Schritt: die Töpferarbeit glasieren und erneut brennen

Zurück aus dem Brennofen kann die Töpferarbeit glasiert werden. Dabei kann der Töpfer auf die Unterseite und die Flächen auf der Oberseite, die nicht verziert sind, eine farbige Glasur auftragen oder weitere Muster aufmalen. Das Sgraffito-Motiv wiederum kommt schön zur Geltung, wenn eine transparente Glanz-Glasur aufgebracht wird.

Danach muss die Töpferarbeit ein zweites Mal gebrannt werden. Dieses Mal erfolgt der Glasurbrand. Damit ist das Sgraffito auf Ton fertig!

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Inhaber bei Internetmedien Ferya Gülcan
Maike Wetzold, geboren 1969, Lehrerin für das Unterrichtsfach Werken, sowie Tobias Naue, Baujahr 1974, (Keramikmeister), sowie Ferya Gülcan, Betreiberin und Redakteurin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zum Thema Töpfern, Ton und Keramik. Anleitungen, Übungen , Vorlagen und Fachwissen für Groß und Klein, sowie für Schule und Hobby.
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