Eigener Brennofen – ja oder nein?

Eigener Brennofen – ja oder nein?  

Töpfern ist zweifellos ein faszinierendes und sehr kreatives Hobby, das in allen Altersklassen überaus beliebt ist. Wer das Töpfern für sich entdeckt hat, fragt sich aber früher oder später, ob es nicht sinnvoll wäre, sich einen eigenen Brennofen anzuschaffen.

 

Schließlich ist es doch recht mühsam, die liebevoll hergestellten Werkstücke, die in getrocknetem Zustand recht empfindlich sind und schnell zu Schaden kommen können, jedes Mal zu einer externen Brennmöglichkeit zu transportieren.  

Je nach dem, wohin die eigenen Kunstwerke gebracht werden, kann es zudem Tage und teils sogar Wochen dauern, bis die Töpferwaren, die den Brennvorgang hoffentlich unbeschadet überstandet haben, dann endlich wieder abgeholt werden können. Aber auch die Rückfahrt nach Hause birgt noch einmal ein gewisses Gefahrenpotenzial.  

 

Letztlich bleibt also die Frage, ein eigener Brennofen – ja oder nein?: 

 

 

Vor der Entscheidung stehen zahlreiche Überlegungen.  

 

Das wichtigste Argument, das für einen eigenen Brennofen spricht, lässt sich mit einem einfachen Wort auf den Punkt bringen, nämlich Unabhängigkeit. Diesem Argument stehen aber sehr hohe Kosten gegenüber, sowohl bei der Anschaffung als auch beim Betrieb. Zudem müssen einige weitere Faktoren berücksichtigt werden.

 

Zu den wichtigsten Überlegungen vor einer Entscheidung gehören grundsätzlich die folgenden:

 

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Welche Art von Brennofen eignet sich für die eigenen Bedürfnisse?

 

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Welche konkreten Modelle kommen in Frage und wie viel Geld müsste für einen solchen Brennofen, neu oder gebraucht, investiert werden?

 

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Wie hoch werden die Stromkosten sein, die durch den Betrieb des Brennofens entstehen? Bei einigen Anbietern ist es zwar möglich, anstelle von normalem Haushaltsstrom Nachtstrom oder bei professioneller Verwendung Gewerbestrom zu nutzen. Allerdings dürfen die Stromkosten generell nicht unterschätzt werden.

 

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Ist überhaupt ein geeigneter Ort mit ausreichend Platz vorhanden, um den Brennofen aufzustellen?

   

 

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Was sagt der Vermieter und wie wirkt sich der Brennofen auf die Versicherung aus?

 

Bei einem Mietobjekt muss der Vermieter in aller Regel informiert werden und seine Zustimmung zum Brennofen geben. Zudem muss teils auch der Versicherung mitgeteilt werden, dass ein Brennofen betrieben werden soll.

 

Dadurch ist gewährleistet, dass die Versicherung einen möglichen Schaden übernimmt, der durch einen defekten Brennofen verursacht wurde. Defekte, beispielsweise in der Form, dass der Brennofen nicht abschaltet und schlimmstenfalls einen Brand verursacht, sind zwar selten, aber eben nicht ausgeschlossen.  

 

 

Die vermutlich wichtigste Frage, die unbedingt auch sehr ehrlich und realistisch beantwortet werden muss, ist aber, ob sich ein eigener Brennofen wirklich lohnt. Sicherlich ist ein eigener Brennofen sehr praktisch und komfortabel. Wer aber nur gelegentlich töpfert und zu einer besseren Auslastung des Ofens nicht auch die Töpferwaren von anderen brennen kann oder möchte oder wer sich nicht sicher ist, ob er auch in einem halben Jahr noch dem Töpfern regelmäßig und mit Begeisterung nachgehen wird, sollte die Anschaffung vorerst besser auf Eis legen.  

 

 

 

Welcher Brennofen soll es sein?

 

Ist die Entscheidung für einen eigenen Brennofen gefallen, stellt sich die Frage nach der Art des Brennofens. Grundsätzlich wird bei Brennöfen zwischen Elektro-Topladern und Kammeröfen unterschieden. Dabei ist das Prinzip mit Waschmaschinen vergleichbar, denn Elektro-Toplader werden von oben und Kammeröfen von vorne befüllt.

 

Kammeröfen bieten dabei den Vorteil, dass durch die Bestückung von vorne eine bessere Übersichtlichkeit gegeben ist. Bestückt werden Brennöfen, indem mithilfe von Ofenstützen eine oder mehrere Platten übereinander gestapelt werden. Die Platten sind mit einem Trennmittel behandelt und die Werkstücke werden darauf abgestellt.

 

Um zu verhindern, dass glasierte Tonarbeiten anbacken, werden diese auf Dreifüße oder Schenkel aus Metall positioniert. Neben den klassischen Varianten bietet der Fachhandel auch sogenannte Raku-Öfen. Sie kennzeichnen sich durch ihre einfache Handhabung und den Betrieb mit Gas. Raku-Öfen werden im Freien verwendet, sind durch die verbauten Feuerleichtsteine aber verhältnismäßig leicht und können für den Transport zerlegt werden. Bei einigen Modellen gibt es außerdem Transportrollen als Zubehör.  

 

 

 

Wie werden Brennöfen betrieben?

 

Bei modernen Brennöfen können unterschiedliche Programme meist individuell eingestellt und gespeichert werden, bestimmte Programme für den Schrüh- und den Glasurbrand sind aber in aller Regel schon vorinstalliert. Die Werkstücke werden normalerweise zweimal gebrannt. Der erste Schritt ist der Rohbrand, der auch als Schrühbrand bezeichnet wird.

 

Nach diesem Brand ist der Ton noch porös genug, um eine Glasur gleichmäßig aufzunehmen. Als zweiter Schritt folgt dann der Glasurbrand. Alternativ dazu gibt es das Einbrandverfahren. Hierbei wird die Glasur auf den ungebrannten, gut getrockneten Ton aufgetragen und die Tonware wird nur einmal gebrannt. Die Temperaturen bewegen sich dabei zwischen 1020 und 1080 Grad, bei Steinzeugglasuren zwischen 1200 und 1260 Grad.

 

Wichtig beim Umgang mit einem Brennofen ist aber, zu beachten, dass ein Brennofen auch auf der Außenseite sehr heiß werden kann. Zudem entwickeln vor allem Glasuren unangenehme und teils sogar gesundheitsschädliche Gerüche und Dämpfe, so dass immer eine gute Belüftung des Raumes sichergestellt sein muss.

 

Um Risse und Sprünge zu verhindern, sollte der Brennofen erst dann spaltweise geöffnet werden, wenn die Temperatur auf unter 200 Grad gesunken ist, vollständig geöffnet wird der Brennofen frühestens bei 100 Grad. Die gebrannte Ware verbleibt aber noch solange im Ofen, bis sie vollständig abgekühlt oder zumindest handwarm ist.

 

 

 

Weiterführende Töpferanleitungen und Tipps zum Arbeiten mit Ton:

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